Hans-Peter Michel: Selles un Jenes vum Dr. Siebenpfeiffer – Vortrag beim Haardter Demokratiefest am 18.07.2021

Mein Name ist Hans Peter Michel – ich bin Patriot!

Das ist das erste Mal, dass ich das öffentlich bekenne.

Warum? Weil immer mehr Dumpfbacken durch die Republik laufen, sich als Patrioten bezeichnen, von Demokratie keine Ahnung haben, sie bekämpfen und dabei die schwarz-rot-goldene Fahne schwenken.

Wir haben hier auch eine schwarz/rot/goldene Fahne.

Das sind die Farben des Hambacher Festes.

Diese Farben wurden beim ersten Bundestag am 9.03.1848 in der Paulskirche zu Frankfurt als Farben des Deutschen Reiches bestimmt und waren in dieser Zusammensetzung erstmals beim Hambacher Fest gezeigt worden.

Aus diesem Grunde kann man sich auch ganz ungezwungen, entspannt unter diesen Farben versammeln.

Ich wollte ja heute noch eine besondere Fahne präsentieren. Die Fahne der Haardter Bürgerwehr von 1848.Leider ist sie in einem miserablen Zustand und darf das Archiv nicht verlassen. Die gute Nachricht, Frau                     

Merkel, Leiterin des Stadtarchivs, ist dabei, sie restaurieren zu lassen.

Selles und Jenes vum Dr. Siebenpfeiffer will ich Ihnen/euch heute erzählen.

Es wurden schon viele Bücher über Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer geschrieben und unzählige Vorträge gehalten. Fachvorträge von gebildeten Menschen.

Zur Abwechslung kommt jetzt mal einer von mir.

Hier die Kurzfassung über Siebenpfeiffer:

12. Nov. 1789 geboren, im Alter von 10 Jahren innerhalb eines Monats Vater und Mutter verloren. Mit 14 bekam er eine Anstellung als „Ober-amtsschreibincipicent“, 1807 schon „Oberamtactuar“ und Okt. 1808 „Renevator und Bermains-Commissairer“. Sein Talent wurde erkannt und er bekam ein Stipendium und studierte Jura und promovierte mit 24 Jahren. Dann ging es kreuz und quer durchs Land, auch Stationen in Landau, Speyer und Frankenthal, bis er 1818 in Homburg Landcom-missär wurde; 79 Gemeinden mit 40 000 Einwohnern.

Er publizierte, z.B. über „Gemeindegüter und Gemeindeschulden“ oder „Über die Frage unserer Zeit in Beziehung auf Gerechtigkeitspflege.“

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Und, er forderte König Ludwig I. außerhalb des Dienstweges zu Reformen auf.

Er hatte ein sehr gutes Verhältnis zur Ev. Kirche und war 1821 Mitglied der Synode der pfälz. Landeskirche.

Privat hatte er eine weitläufige Gartenanlage mit Obstbäumen und Weinberg; für die er einen Preis bekam. Er schrieb auch ein Lobgedicht auf das Königspaar. Auf der anderen Seite blieben seine politischen Forderungen unbeantwortet.

Im Herbst 1830 brachte er die Zeitschrift Rheinbayern heraus, mit dem Untertitel: „Nur keine Revolution in Deutschland.“

Ende der Kurzfassung.

Ich will mit euch/Ihnen jetzt eine kleine Zeitreise ins Jahr 1832 machen, erzählen, wie es damals uf de Haardt war und was wir über den „Haardter“ Dr. Siebenpfeiffer wissen.

Haardt hatte damals ca. 1 200 Einwohner, davon ca. 400 Schulkinder. Die Dorfstraße war noch nicht gepflastert; erst 1840. Eine gerade mal 50 Jahre alte Kirche ohne Kirchturm, das Haardter Schlössel hieß noch

Schusters Schlössel und die Gemeinde hatte gerade einen neuen Friedhof angelegt.

Den gibt es, erweitert, auch noch heute. Sehr zu empfehlen.

Eingeweiht wurde er von Michael Wilde, vun de Unnerhaardt.

Haardt war eine Weinbau treibende Gemeinde Das hatte man 1821 radikal demonstriert, in dem ca. 800 Obstbäume in der Flur entrindet bzw. umgehauen hatte.

Die Familie Weegmüller war schon seit dem 13.01.1676 uf de Haardt.

Und das renommierte VDP Weingut Müller Catoir nannte sich noch schlicht Weingut Müller.

Der Bürgermeister hieß Salomon Eber II.

Soviel ich weiß, leben heute noch Nachfahren von ihm uf de Haardt.

Dass Siebenpfeiffer uf die Haardt zog hatte bestimmt seine Gründe.

Da kann ich aber nur spekulieren. Die Haardt war damals schon beliebt.

Abgesehen davon, dass der Schulrat den Lehrer wegen mangelnder Aufsicht rügte, da Fremde nicht ohne Belästigung der Dorfjugend hier durchmarschieren konnten.

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Was vielleicht auch noch für Haardt sprach, waren hier wohnende liberal gesinnte Bürger.

Da war der Ökonom Wilhelm Michel (leider weder verwandt noch verschwägert mit mir) sowie der Ökonom und Maler Johann Christof Heckel. Beide Mitunterzeichner des Aufrufes „Der Deutschen Mai“ zum Hambacher Fest und Mitglieder des Preßvereins. (einem Verein für Pressefreiheit.)

Der Herr Michel, ein Mannemer, wohnte da, wo heute das Hotel Tenner ist. Gegenüber wohnte die Familie Weintz. Deren Sohn Johannes fand in den Kindern von Michel Spielgefährten und so kam es, dass er manch-mal „Flugschriften“ mit nach Hause brachte.

Das kam da nicht so gut an. Sein Vater steckte sie sofort in den Ofen.

Dazu gibt es noch eine kleine Geschichte: Michels Fuhrknecht, Georg Bitsch denunzierte seinen Chef 1835, er würde nämlich Waschkörbe voller Schriften von Dr. Siebenpfeiffer aufbewahren. Darunter waren auch 65 Exemplare des Westboten.

Michel bekam von der geplanten Hausdurchsuchung Wind und bereitete sich vor.

Ergebnis der Durchsuchung: Kein ungesetzlicher Gebrauch der Schriften. Sie wurden nur „auf einem dritten Ort“ benutzt.

Heckel war nicht nur Ökonom, sondern auch Zeichenlehrer an der Lateinschule in Neustadt. Von ihm stammt eine tolle Ansicht von Neustadt mit Haardt im Hintergrund. In der Haardter Chronik auf Seite 33 oder im Stadtarchiv zu sehen. Als er sich im Nov. 1832 weigerte „an vom Staate nicht gebilligten Gesellschaften zu beteiligen“ wurde er seiner Funktionen enthoben.

Dann gab es noch den Neustadter Geschäftsmann, Georg Friedrich Grohe-Henrich, welcher 1822, die 1728 erbaute Burgvogtei der Burg Winzingen gekauft hatte.

In dieses Anwesen zog Dr. Siebenpfeiffer, am 29. März, mit seiner Frau Emilie und Tochter Cornelia ein.

Die Ausmaße des Anwesens entsprechen fast noch der heutigen Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete. (Im hinteren Teil befand sich ein Kelterhaus. (Da wurden auch die Gottesdienste abgehalten, als die

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St. Wolfgangskapelle für den Neubau der Kirche 1781 abgerissen wurde.)

(Es war nicht ganz so breit wie heute, die zwei letzten Fensterreihen auf der Straßenseite fehlten. Da standen bis 1905 zwei Häuser. Eines die „Wirtschaft zum Hirsch“.)

So ein großes Haus hatte auch einen großen Keller. Der Keller ist übrigens das Einzige was von dem damaligen Gebäude noch da ist.

Da war Platz für 260 Fuder Wein. Wieviel Liter sind das? 260 000 Liter.

Aber der Reihe nach.

Herr Grohe-Henrich, Handelsmann, war im Mai 1822 auf folgendes Inserat im Bay. Intelligenzblatt aufmerksam geworden:

Verkauf eines Hauses mit Wingert und Garten.

Auf der Haardt bei Neustadt ist aus freier Hand zu verkaufen, das ehemalige Herrschaftshaus samt daran gelegenen fünf Viertel Morgen Weinberg, einen halben Morgen Garten und circa drei Morgen Kastanienberg.

Das Haus ist dreistöckig und enthält:

A zur ebenen Erde drei Zimmer, eine Speisekammer, zwei Küchen.

B im zweiten Stock: ein Vorzimmer respektive Hausgang, vier Zimmer und ein kleines Nebenzimmerchen, und im hinteren Theil des Hauses: zwei Zimmer, zwei Kammern, zwei Küchen.

C im dritten Stock: ein Salon, zwei Nebenzimmerchen, ein Cabinette, und ein Vorzimmer.

D Speicher für etwa 400 Malter Frucht,

E von dem Hof aus, jedoch unter demselben Dach: ein großes Kelterhaus und Stall für zwei Pferde

F unter dem Haus: zwei gewölbte Keller, einer für 200 Fuder und der andere für ca. 60 Fuder.

Der Hof ist ca. 45 Ruthen groß, und der größte Theil davon als englischer Garten angelegt. Im Hof selbst ist ein Springbrunnen.

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Von dem Hause aus und dem anstoßenden Kastanienberg genießt man die ergötzliche Aussicht, man hat, nicht nur allein die ganze Rheinpfalz auf dem linken und rechten Rheinufer von Worms bis in die Gegend von

Lauterburg, sondern auch den Melipocus und einen großen Theil der jenseitigen Großherzogthümer Baden und Hessen, vor den Augen.

(Das war vor der Luftverschmutzung)

Liebhaber belieben sich in frankierten Briefen an den köngl. Notar Lembert zu Neustadt zu wenden.

So, und für uns stellt sich nun die Frage, auf welcher Etage wohnten die Siebenpfeiffers?

Aber hören wir uns doch erst einmal noch ein tolles Lied an.(Bürgerlied)

Vielleicht können wir das ja über ihren Hausstand klären, den sie aus Oggersheim mitbrachten; wo sie in der Schillerstraße 10 gewohnt hatten. Die gibt es immer noch, aber nicht mehr das damalige Haus. Da hatte er auch schon den Westboten gedruckt.

(Wäre er 50 Jahre zuvor in Oggersheim gewesen hätte er in der Schillerstraße 6, dem „Alten Viehhof“, einen Herrn Dr. Schmidt kennen-

gelernt. Das war aber nicht dessen richtiger Name. Er war damals unter falschem Namen abgestiegen, da er auf der Fahndungsliste seiner Landesherrschaft stand.

Heute nennt sich der Viehhof „Schillerhaus“ und beherbergt ein kleines Museum.)

Siebenpfeiffer benötigte schon mehrere Räume. Diesen Rückschluss können wir aus einer Annonce über die Versteigerung seines Inventares ziehen.

Diese Versteigerung fand bei Johann Naumer im Haus Nr. 80 statt.

Das Anwesen konnte ich bisher nicht identifizieren, aber auf alle Fälle uf de Mittelhaardt; etwa Müller Preßler.

Hier die Annonce:

Bekanntmachung.

Donnerstag den 25. diesen Monats Juli, des Vormittags um 8 Uhr, läßt Frau Dr. Siebenpfeiffer zu Hardt, in der Behausung von Joh. Naumer,

Nro. 80, nachbenannte Mobilargegenstände gegen gleich bare Zahlung öffentlich versteigern, nämlich:

Ein Comod von Mahagoniholz mit schwarzer Marmorblatte, desgleichen ein Sekretär und ein Arbeitstisch; von demselben Holz zwei geschmack-volle Bettstellen, nebst Nachttisch, worauf ebenfalls schwarze Marmor-blatten sind; ein Spieltisch von Nußbaumholz, eine große ganz moderne zweischläfrige Bettlade mit Nachttisch, ein ganz neuer moderner Eßtisch, nebst einem Büfett; ein ganz großer Schreibtisch mit 7 Schub-

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laden; ein Stehpult, ein großes Büchergestell, Metzer Stühle, Kanapees, Bettung, geschliffene Cristallwaren von St. Louis, etwas Steingut, eine ganz moderne Wiener Pendule, eine Würzburger Zintmaschine, erster

Qualität, eine vorzüglich gute Flöte von Ebenholz mit 8 silbernen Klappen, ein vorzüglich gutes Violencelle, zwei vorzüglich gute Flinten, ein eleganter Rastatter Wagen, und eine schöne Tapete um ein großes Zimmer zu tapezieren.

Ein interessanter Hausstand, der viele Rückschlüsse zu lässt.

Ich schätze mal, dass man dafür vier Zimmer benötigte.

Er musste nicht zu Fuß nach Hambach, er hatte ja eine elegante Rastatter Kutsche. Ich habe dort angerufen. Die Wagen Fabrik Schlaff ging in Konkurs; schon 1825. Daher gibt es leider kein Bild/Stich auf dem so ein Wagen zu sehen ist. Genauso erfolgreich war ich bei der „Würzburger Zimtmaschine“. Kein Exemplar im Würzburger Museum.

Den gemahlenen Zimt benötigte man vermutlich für Desserts und Kuchen.

Von einer modernen Wiener Pedul findet man im Internet Fotos. Es handelt sich um eine wertvolle Kaminuhr. Wie könnte es anders sein, konnte mir das Metzer Verkehrsbüro auch nicht viel weiterhelfen. Es gibt keine besonderen Stühle die in Metz hergestellt wurden. Man nimmt an, dass es sich um einen Firmen/Familienamen handelt. Auf alle Fälle wurden Metzer Stühle in einer Firma in Offenbach/Main produziert. Das besondere, die Sitzflächen wurden mit weißem, gelbem oder farbigem Stroh hergestellt. Die Gestelle konnten aus verschiedenen „Holzgat-tungen“ stammen.

Siebenpfeiffer arbeitete nicht nur, was der Schreibtisch mit 7 Schubladen ein Sekretär und ein Stehpult zeigen, sondern fand offensichtlich Ablenk-ung und Entspannung beim Spiel an einem Spieltisch.

Ein Hobby war auch die Musik. War er doch im Besitze eines guten Violencello und einer vorzüglich guten Flöte aus Ebenholz. Musik spielte schon früher in seinem Leben eine wichtige Rolle. So war er Mitgründer des „Central Musikvereins der Pfalz“ in Kaiserslautern.

Was er mit den zwei vorzüglich guten Flinten unternahm ist nicht bekannt.

Mit diesem Hausstand hätte er gut auf der Haardt leben können.

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Aber, als Initiator des Hambacher Festes stand er ganz oben auf der Schwarzen Liste des Königreiches Bayern und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Staatsmacht vor der Tür stand.

Aber die Verhaftung verlief nicht reibungslos. Nicht wegen der vorzüglich guten Flinten, die kamen nicht zum Einsatz. Sondern wegen mutigen Haardterinnen und Haardter.

Es waren natürlich auch ein paar Neustadter dabei.

Als man mitbekam, dass die Verhaftung bevorstand, hat man reagiert – wir würden heute unsere WhatsApp Gruppe mobilisieren.

So was ähnliches gabs damals natürlich auch schon. Man läutete Sturm! Und alle kamen zusammengelaufen. Später behauptete man nur für die Weinlädner geläutet zu haben. Das waren die Leute, welche mithalfen den verkauften Wein aus dem Keller zu schaffen.

In der Gerichtsverhandlung kam dann heraus, dass durch das Zutun des Bürgermeisters das Läuten unterbrochen worden war.

Auf alle Fälle war das Läuten erfolgreich. Die Leute strömten zusammen und blockierten den Eingang zum Anwesen.

Dann kam Hauptmann Dumas, schätzte die Lage richtig ein und zog mit seinen Gendarmen wieder ab. Nicht so die Haardter. Sie blieben Tag und Nacht vor dem Haus im Garten.

Dann kam Polizei mit Verstärkung zurück.

Die Leute sagten, die Gendarmen sind doch dazu da Spitzbuben zu fangen. Dr. Siebenpfeiffer ist aber kein Spitzbube.

Die Leute mussten mit Bajonetten auf Abstand gehalten werden.

Hauptmann Dumas begab sich mit Bürgermeister Eber zu Dr. Siebenpfeiffer.

Man kam überein, dass eine Delegation Dr. Siebenpfeiffer nach Kaiserslautern begleiten durfte, da man befürchtete, dass Siebenpfeiffer auf dem Weg etwas zustoßen könnte.

Es wurden Fuhrwerke, Weck Worscht und Woi organisiert und der Zug setzte sich nach KL in Bewegung.

Dr. Siebenpfeiffer kam wohlbehalten in Kaiserslautern an.

Die Gerichtsverhandlung fand vom 13.07. – 16.8.1833 in der Festungsstadt Landau statt, und nicht wie eigentlich sonst, in Zweibrücken; da man Angst vor Unruhen hatte.

Bei den Verhandlungstagen waren 700 bis 800 Zuhörer anwesend.

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Siebenpfeiffer sagte bei der Verhandlung: „Ich muss bekennen, dass bei meiner Verhaftung alles Ordnungsgemäß verlaufen ist. Und: Ich wollte sie nach Hause schicken, sie blieben aber.“

Die Anklage lautete auf Hochverrat. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten aber frei.

Obwohl er sich als“ Republicaner aus ganzer Seele“ und Anhänger der „parlamentarischen Demokratie“ geoutet hatte.

Das Gefängnis blieb ihm trotzdem nicht erspart.

In Frankenthal waren Siebenpfeiffer und Wirth wegen Beamtenbeleid-igung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Dr. Wirth sahs die zwei Jahre ab. Siebenpfeiffer flüchtete. Ob der Fluchtgrund die Auflage des Gerichtes war, wöchentlich drei Paar wollene Strümpfe zu stricken, ist reine Spekulation.

Zu 20 Gulden Strafe war auch der Neustadter Philipp Abresch, dessen Fahne heute auf dem Hambacher Schloss aufbewahrt wird, verurteilt worden, weil er bei der Verhaftung von Siebenpfeiffer einen Gendarmen der die Tür bewachte, einfach zur Seite geschoben hatte und zu Sieben-pfeiffer gegangen war.    

Dr. Siebenpfeiffer hatte ja ursprünglich geplant, das Fest in Kaisers-lautern durchzuführen. Er kam zum Glück aber wieder davon ab. Hier hat er dann mit Blick auf „Schusters Schlössel“ das Lied „Hinauf Patrioten zum Schloß, zum Schloß! Hoch flattern die deutschen Farben“ gedichtet

Ein Chor von 300 Handwerksburschen hat dieses Lied nach der Melodie von Schillers Reiterlied, die damals sehr beliebt und bekannt war, gesungen.

Heute hören wir es von Ede und Heri.

Der Aufruf zum Hambacher Fest war ja wirklich dreist. Man hatte zuvor schon zu einem Constitutionsfeste auf dem Hambacher Schlosse in öffentlichen Blättern, namentlich der Speierer Zeitung, aufgerufen und dann in einem erneuten Aufruf „Der Deutschen Mai“ vom 20. April 1832 behauptet, dass dieser erste Aufruf ohne Auftrag ergangen sei und mit Beziehung auf diesen erneuten Aufruf „Der Deutschen Mai“ jene Einladung als nicht geschehen zu betrachten sei.

Beim Aufruf zum Hambacher Fest waren nicht nur die deutschen Männer und Jünglinge, sondern auch die deutschen Frauen und Jungfrauen aufgerufen. Und warum? (wörtliche Rede Siebenpfeiffer) „, weil deren

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„, weil deren politische Mißachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler und ein Flecken ist.“

Auf dem Fest wurde zum ersten Mal für die staatsbürgerlichen Rechte der Frauen plädiert.

Über das Hambacher Fest wurde auch im Ausland berichtet. Unter anderem in der „Züricher Freitag Zeitung“

Diese schreibt, u.a., am“ 8. Brachmonat 1832“ unter auswärtige Nach-richten: (Auszüge)

Das Hambacher Fest in Rheinbaiern.

– An der Schlosshalden dieser zerstörten Burg – eine ungeheure Menge Menschen – gegen 30 000,

– dass durchaus keine Unordnungen stattfanden.

-Einzig durch Einsturz eines alten Gemäuers wurden einige verletzt –

 –sogar 2 getötet.

-Minder gemäßigt scheinen die Redner gewesen zu sein.

-Dr. Wirth hat dabei mit seinem Ehrensäbel manövriert.

Darüber wurde sogar ein Lied gedichtet.

Auch die Fahnen werden erwähnt:

-Fahnen mit 3 Farben, roth, schwarz und Gold und den Worten Freiheit, Gleichheit, Eichenlaub. (Die Reihenfolge war noch nicht genau festgelegt.)

-Das Schießen aus Böllern gehörte mit zu den Festivitäten, auch Essen und Trinken ward nicht vergessen.

Noch eine kleine Notiz:

Zu Mainz gab es am 27. zwischen einem Einwohner, der eine Hambacher-Kokarde trug, und preußischen Soldaten Händel, andere eilten herbei, und es wurden 13 Personen verhaftet und nach der Citadelle gebracht.

Auch ohne Internet – Hambach war überall.

Es ist schön und traurig zugleich, dass wir eine Demokratiewoche begehen. Eigentlich könnte es nur schön sein. Wir leben in einer Demokratie, aber einmal Demokratie immer Demokratie? Weit gefehlt! Demokratie muss gelebt werden, Tag für Tag.

Tun wir, tun wir was dazu!